Arbeitsschutzreport 08-2026 Zecken: Borreliose, FSME und Schutzmaßnahmen

Zecken: Borreliose, FSME und Schutzmaßnahmen

Zecken gehören zu den für den Menschen medizinisch besonders bedeutsamen Tieren. Die Gefahr geht dabei meist nicht vom Stich selbst aus, sondern von Krankheitserregern, die übertragen werden können. Borreliose und FSME hat wohl fast jeder schon einmal gehört. Doch was bedeuten diese Krankheiten genau für uns und wie können wir uns schützen?

In Deutschland kommt es jedes Jahr zu einer großen Zahl von Zeckenstichen. Da diese nicht meldepflichtig sind, gibt es keine verlässliche Gesamtzahl und nur ein kleiner Teil der Menschen entwickelt tatsächlich eine klinisch manifeste Borreliose. Aufgrund der großen Zahl von Zeckenstichen treten dennoch jedes Jahr viele neue Erkrankungen auf. Die Schätzungen zur Zahl der Borreliose-Erkrankungen in Deutschland unterscheiden sich allerdings deutlich, weshalb sich keine einzelne verlässliche Jahreszahl nennen lässt.

Borrelien kommen in Europa je nach Region in einem relevanten Anteil der Zecken vor. Für den Menschen von besonderer Bedeutung sind mehrere eng verwandte Bakterienarten aus dem sogenannten Borrelia-burgdorferi-Komplex. Sie sind die Erreger der Lyme-Borreliose. Beim Saugakt können Borrelien aus dem Darm der Zecke in die Speicheldrüsen gelangen und anschließend auf den Menschen übertragen werden. Das Übertragungsrisiko steigt mit zunehmender Saugdauer. Eine möglichst schnelle und vollständige Entfernung der Zecke ist deshalb sinnvoll. Wurde der Erreger übertragen, kann sich nach einigen Tagen bis Wochen eine sogenannte Wanderröte entwickeln. Sie beginnt häufig als rötliche Hautveränderung und breitet sich im Verlauf nach außen aus. Dies kann, muss aber nicht, wie eine Zielscheibe aussehen. Zusätzlich können grippeähnliche Beschwerden wie Fieber, Müdigkeit, Kopf- oder Gliederschmerzen auftreten.

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Bei einer sich ausbreitenden Hautrötung oder entsprechenden Beschwerden nach einem Zeckenstich sollten Sie ärztlichen Rat suchen und auf den vorausgegangenen Zeckenstich hinweisen. Eine frühzeitig erkannte Borreliose lässt sich in der Regel gut mit Antibiotika behandeln. Unbehandelt können jedoch auch spätere Krankheitserscheinungen auftreten, unter anderem an Haut, Gelenken, Nerven oder am Herzen. Eine Impfung gegen Lyme-Borreliose ist in Deutschland derzeit nicht zugelassen. Umso wichtiger sind das Vermeiden von Zeckenstichen, das möglichst schnelle Entfernen von Zecken und eine ärztliche Abklärung bei entsprechenden Beschwerden.

Im Gegensatz zur Borreliose gibt es gegen FSME eine wirksame Impfung. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt sie insbesondere Personen, die in einem FSME-Risikogebiet wohnen oder sich dort aufhalten und dabei Zecken ausgesetzt sein können. Als FSME-Risikogebiete gelten Regionen, in denen ein erhöhtes Risiko für eine FSME-Erkrankung besteht. Bei der Ausweisung werden unter anderem die über mehrere Jahre beobachteten Erkrankungszahlen berücksichtigt. Aktuell, im Jahr 2026, sind in Deutschland 185 Kreise als FSME-Risikogebiete ausgewiesen. Der Schwerpunkt liegt in Bayern und Baden-Württemberg. Neu hinzugekommen sind 2026 der Landkreis Nordsachsen und der Stadtkreis Halle (Saale).

Deutlich weniger Zecken tragen das FSME-Virus als Borrelien. Das Virus kann neben dem Zeckenstich in seltenen Fällen auch über nicht pasteurisierte Milch und daraus hergestellte Produkte infizierter Tiere, insbesondere Ziegen und Schafe, übertragen werden.

FSME steht für Frühsommer-Meningoenzephalitis. Ein großer Teil der Infektionen verläuft ohne oder mit nur milden Beschwerden. Wenn Symptome auftreten, beginnt die Erkrankung häufig nach einer Inkubationszeit von etwa ein bis zwei Wochen mit grippeähnlichen Beschwerden. Nach einigen Tagen kann eine symptomfreie Phase folgen. Bei einem Teil der Erkrankten kommt es anschließend zu einer zweiten Krankheitsphase. Dabei kann das zentrale Nervensystem betroffen sein. Möglich sind unter anderem Entzündungen des Gehirns oder des Rückenmarks, in schweren Fällen auch Lähmungen. Eine ursächliche Behandlung der FSME gibt es bislang nicht. Behandelt werden vor allem die Symptome und mögliche Komplikationen. Die Erkrankung kann insbesondere bei schweren Verläufen bleibende neurologische Schäden hinterlassen und in seltenen Fällen auch tödlich verlaufen. Die Impfung bietet daher einen wichtigen Schutz vor FSME.

Auch wenn kein vollständiger Schutz vor Zeckenstichen möglich ist, lässt sich das Risiko durch einige Maßnahmen reduzieren: Tragen Sie bei Aufenthalten in der Natur möglichst lange, geschlossene Kleidung. Helle Kleidung kann dabei helfen, Zecken frühzeitig zu entdecken. Auch geeignete Zeckenschutzmittel können eingesetzt werden. Nach einem Aufenthalt in der Natur sollte der Körper gründlich nach Zecken abgesucht werden – mit besonderem Augenmerk auf Achselhöhlen, Kniekehlen, Leistenbereich, Haaransatz und Kopf. Auch die Kleidung sollte kontrolliert werden. Und falls Sie eine Zecke entdecken: Entfernen Sie sie möglichst schnell und vollständig mit einer geeigneten Pinzette, Zeckenschlinge oder -karte.

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Verfasserin:

Louisa Dommasch (Ärztin i. W. Arbeitsmedizin)

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