Arbeitsschutzreport 11-2025 Arbeitswelt im Wandel

Arbeitswelt im Wandel

Die Arbeitswelt in Deutschland befindet sich in einem andauernden Wandel. Daten aus der BAuA-Publikation „Arbeitswelt im Wandel“ zeigen die Entwicklungen vom 20. Jahrhundert bis in das Jahr 2023 in Erwerbstätigkeit, Sicherheit, Gesundheit und Gleichstellung. Dabei wird deutlich: Während sich Arbeitsbedingungen in vielen Bereichen verbessern, entstehen gleichzeitig neue Belastungen und Herausforderungen für Beschäftigte. Die folgenden Kennzahlen sollen einen Überblick geben.

Erwerbstätigkeit und demografische Entwicklung

Die Zahl der Erwerbstätigen steigt weiter: 2023 waren – bei einer Gesamtbevölkerung von 83,9 Millionen – 43,1 Millionen Menschen in Deutschland berufstätig. 91 % davon stehen in einem abhängigen Beschäftigungsverhältnis. Besonders hoch ist der Anteil der Erwerbstätigen von der Gesamtzahl der Bevölkerung in dieser Altersgruppe bei 40 bis 54 Jahren mit 87 %.

Europaweit setzt sich die Erwerbstätigkeit im fortgeschrittenen Alter fort: 74,6 % der 55- bis 64-Jährigen arbeiten noch (2001 waren dies nur 38 %). Das scheint jedoch auch unausweichlich: Bis 2060 wird sich die demografische Struktur weiter verändern – von einer Pyramide zu Anfang des 19. Jahrhunderts hin zu einer „Pilzform“ mit mehr älteren Menschen. In der Konsequenz müssen wir mehr über Alters- und Alternsgerechtes Arbeiten nachdenken, um dauerhaft die Arbeitsfähigkeit zu gewährleisten.

Sicherheit und Gesundheit im Wandel

Es gibt jedoch auch positive Entwicklungen. Die Arbeitsunfallquote sinkt langfristig deutlich: Anzeigepflichtige Arbeitsunfälle nahmen von 54,3 auf 18,8 je 1.000 Vollzeitäquivalente seit 1991 ab, Wegeunfälle von 5,5 auf 3,16. Auch tödliche Arbeitsunfälle liegen mit 499 im Jahr 2023 auf historischem Tiefstand (1991: 1.496). Bei tödlichen Wegeunfällen ist der Rückgang etwas langsamer, aber ebenso sichtbar.

Nach dem Sars-Cov-2-Pandemiehoch gehen Berufskrankheiten stark zurück (um 62,9 %), liegen jedoch weiterhin über dem Vorpandemieniveau. Infektionskrankheiten bleiben die Hauptursache für Berufskrankheiten, wenn auch deutlich rückläufig.

Bei Asbestfolgen zeigen sich gegenläufige Trends: Einige Erkrankungen im Zusammenhang mit Asbest sinken (z. B. Lungen-/Kehlkopfkrebs), Mesotheliome steigen weiterhin.

Arbeitssicherheit Magdeburg

Belastungen in der Arbeitswelt

Männer arbeiten häufiger körperlich schwer und unter Bedingungen wie Kälte, Nässe, Lärm oder Staub, empfinden dies aber seltener als belastend.
Frauen sind stärker von der Arbeit mit Infektionserregern, hoher Arbeitsintensität (Termindruck, Multitasking, Unterbrechungen) und psychischen Anforderungen betroffen.

Gesundheitliche Beschwerden spiegeln diese Unterschiede: Über die Hälfte der Frauen berichtet von drei oder mehr psychischen Beschwerden in den letzten zwölf Monaten. Bei Männern zeigen sich muskuloskelettale Beschwerden als dominanter – jedoch geben insgesamt auch hier mehr Frauen als Männer an mindestens dreimal in den letzten 12 Monaten Beschwerden gehabt zu haben.

Arbeit und Arbeitszufriedenheit

Höhere Qualifikation bringt mehr Handlungsspielraum und besseren Zugang zu neuen Technologien – aber kaum Einfluss auf die Arbeitsmenge.

Arbeitszeiten:

  • Vollzeitbeschäftigte würden gern weniger arbeiten
    • Männer wünschen sich im Schnitt 3,7 Std. weniger/Woche (bei Übervollzeit 11 Std.)
    • Bei Frauen liegt der Wunsch bei 5,7 Std. weniger (Übervollzeit 12,5 Std.)
  • Mehr Einfluss auf Arbeitszeiten steigert die Zufriedenheit deutlich
    • Geringer Einfluss: rund 72 % zufrieden
    • Hoher Einfluss: > 85 % zufrieden

Geschlechterunterschiede bestehen weiterhin:
Frauen arbeiten häufiger in Medizin/Erziehung, Männer in technischen Bereichen.
Jeder dritte Mann, aber nur jede fünfte Frau ist Führungskraft.
Mit Kindern arbeiten Frauen rund 5 Stunden weniger, Männer 1 Stunde mehr pro Woche.
Die Gender Pay Gap ist weiterhin großes Thema: Frauen verdienen im Durchschnitt 35 % weniger Bruttojahresgehalt. 

Krankenstand und wirtschaftliche Auswirkungen

Im Schnitt fallen 11 Krankheitstage je Fall an und jährlich 226 Krankmeldungen je 100 GKV-Mitgliedsjahren. Am häufigsten betroffen: Beschäftigte in öffentlichen und sonstigen Dienstleistungen, Erziehung und Gesundheit; am längsten krank sind Beschäftigte in Land-, Forstwirtschaft und Fischerei (Ø 13 Tage).

Die meisten Diagnosetage verursachen muskuloskelettale Erkrankungen, besonders bei Männern. Bei Frauen liegen diese nahezu gleichauf mit psychischen Erkrankungen. Der Verlust an Bruttowertschöpfung durch Arbeitsunfähigkeit wird auf 221 Milliarden Euro (2023) geschätzt.

 

Eine eher positive Entwicklung:

Erwerbsminderungsrenten treten etwas später ein (Männer: 54,5 Jahre; Frauen: 53,6 Jahre) und insgesamt seltener – bei Frauen jedoch weiterhin häufiger als bei Männern.

Ausblick – Was können wir aus den Zahlen lernen?

Veränderung ist die einzige Konstante – so auch in der Arbeitswelt. Es gilt: In jeder Veränderung liegen auch Chancen für die Gestaltung von sicherer und gesunder Arbeit. Dreh- und Angelpunkt hierbei ist die Gefährdungsbeurteilung. So lassen sich alle Gefährdungen und Belastungen ermitteln und wirksame Maßnahmen festlegen.

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Verfasser:

Robert Wendt